
Straftaten auch im Berner Oberland gestiegen
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(04:12)
Am Montag hat die Kantonspolizei Bern anlässlich eines Medienanlasses die polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2024 für den Kanton Bern vorgestellt. Diese weist im Jahr 2024 mehr Straftaten aus als 2023. Der Kommandant, der Chef der Kriminalabteilung und die Fachverantwortliche Sexualdelikte haben zudem polizeiliche Schwerpunktthemen für das Jahr 2025 präsentiert. Der Fokus liegt dabei insbesondere auf Beschuldigten aus den Maghreb-Staaten bei Vermögensdelikten, Jugendgewalt und Gewaltopfer Frauen.
Wie auch im Jahr 2023 verzeichnet die Kantonspolizei Bern im vergangenen Jahr einen hohen Anstieg bei den Vermögensdelikten, konkret bei Entreiss-, Einbruch- und Fahrzeugeinbruchdiebstählen – letztere haben sich im vergangenen Jahr fast verdoppelt. Im Jahr 2024 sind der Kantonspolizei Bern zahlreiche Täteranhaltungen im Zusammenhang mit Vermögensdelikten gelungen. Viele Täterschaften konnten auch dank der akribischen Spurensicherung ermittelt werden, so gab es aufgrund von am Tatort gesicherten Fingerabdrücken und/oder DNA-Spuren zahlreiche sogenannte Dakty-Hits. Dabei wurde festgestellt, dass gerade bei den Vermögensdelikten der Anteil an Beschuldigten aus den Maghreb-Staaten weiterhin hoch ist, und diese Täterschaften wiederholt mehrere Delikte verüben. «Wir sind seit längerer Zeit mit einer herausfordernden Situation im Umgang mit Mehrfachtätern aus den Maghreb-Staaten konfrontiert und es zeichnet sich keine Beruhigung der Lage ab», hält der Chef der Kriminalabteilung Martin Schindler fest. Um diesem Umstand entgegenzuwirken, hat die Kantonspolizei Bern die Präsenz bei bekannten Brennpunkten verstärkt und die Präventionsarbeit intensiviert. Insbesondere werden gestützt auf die laufende Lagebeurteilung regional übergreifende Teams gezielt für die Präsenz und Anhaltungen von Tätergruppierungen eingesetzt.
Bei den schweren Gewaltdelikten muss im Jahr 2024 ein neuer Höchstwert konstatiert werden. Insbesondere sind schwere Körperverletzungen gestiegen, wobei als Tatmittel grösstenteils Körpergewalt angewendet wurde. Auch mussten mehr Raubdelikte registriert werden. Die Aufklärungsquote bei den schweren Gewaltstraftaten ist auf 91,5% gestiegen. Diese Zunahme ist unter anderem damit zu begründen, dass sich Täterschaft und Opfer vielfach kennen.
Die Anzahl der wegen schwerer Körperverletzung beschuldigten Minderjährigen und jungen Erwachsenen hat ebenfalls zugenommen. Bei den wegen Raub beschuldigten Personen ist fast die Hälfte minderjährig. Der Schwerpunkt Jugendgewalt bleibt für die Kantonspolizei Bern weiterhin zentral. «Wir wollen und müssen auch weiterhin mit den Jugendlichen im engen Austausch stehen. Nur so können wir Gefahren und Tendenzen frühzeitig erkennen, entgegenwirken und Lösungen finden» sagt Kommandant Christian Brenzikofer. Er ergänzt: «Besonders bei der Messerthematik ist es entscheidend, aufzuklären und zu sensibilisieren, um tragische Konsequenzen zu verhindern».
Bei den Straftaten gegen die sexuelle Integrität musste im Kanton Bern im vergangenen Jahr ein Anstieg verzeichnet werden. Insbesondere der Straftatbestand sexueller Übergriff und sexuelle Nötigung hat sich im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt, wobei es sich hierbei auch um viele Fälle aus früheren Jahren handelt. Diese Entwicklung zeigt, dass öffentliche Diskussionen, politische Debatten und mediale Berichterstattungen beispielsweise über das revidierte Sexualstrafrecht, das seit 1. Juli 2024 in Kraft ist, das Anzeigeverhalten beeinflusst haben dürften. «Wir gehen davon aus, dass Betroffene von sexualisierter Gewalt durch die öffentliche Sensibilisierung ermutigt sind, das Erlebte anzuzeigen,» erläutert Nicole Fernandez, Fachverantwortliche Sexualdelikte. Die Kantonspolizei Bern hat die Thematik «Gewaltopfer Frauen» zum Jahresziel 2025 erklärt, wobei der Fokus einerseits auf internen Weiterbildungsmassnahmen und der Sensibilisierung des Korps liegt. Andererseits soll das Bewusstsein der Öffentlichkeit für Opfer von Gewaltdelikten gefördert und die Bevölkerung über die Möglichkeiten und Angebote für Betroffene informiert werden.
Die Kantonspolizei Bern erfasst seit 2023 LGBTIQ-feindliche Straftaten sowie andere sogenannte Hate Crimes. Insgesamt gingen im vergangenen Jahr 33 Meldungen im Kanton Bern ein. Das sind 22 Meldungen weniger als im Jahr 2023. Mehrheitlich wurden Diskriminierung und Aufruf zu Hass, Beschimpfung und Sachbeschädigung angezeigt. Der Grossteil der Motive dieser Straftaten betraf die Ethnie oder die sexuelle Orientierung.
(text:pd/bild:keystone)